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Die Kunst des Nichtstuns

Die Kunst des Nichtstuns


Mut zur Lücke Unser Leben wird immer schneller. Dabei wären mehr Langsamkeit und Langeweile ganz gut für uns. Denn nur beim Nichtstun entsteht wieder Platz für Neues – und Kreatives.

Randvolle Kalender, schmale Zeitfenster und wenig Freizeit prägen uns trotz Auto, Handy und Internet. Die Zeit zerrinnt uns schneller denn je zwischen den Fingern. Selbst der Feierabend wird zum Stressfaktor: Man hetzt zum Fitnessstudio, besucht einen Tanzkurs oder macht bis spät in die Nacht Sudoku. Kaum einer mag einfach nur mal auf dem Sofa liegen und Löcher in die Wand starren. Dabei wäre ein solcher Leerlauf für unser Gehirn ein kleiner Kurzurlaub.

 

Kreativer Schlaf


Neurowissenschaftler wie Prof. Dr. Jan Born, Direktor des Instituts für Neuroendokrinologie der Universität zu Lübeck wissen, dass mentale Ruhephasen für die Schaltzentrale in unserem Kopf enorm wichtig sind: „Unser Gehirn verarbeitet etwa beim Schlafen die immense Reiz- und Informationsflut des Tages und knüpft aus Milliarden Nervenzellen neue Netzwerke, und dadurch können neue Ideen quasi im Schlaf entstehen. Ähnliches passiert möglicherweise auch, wenn wir uns sinnfreier Tagträumerei hingeben, vielerlei Erlebtes vor unserem geistigen Auge auftaucht und dabei neue Assoziationen, Verknüpfungen und kreative Einfälle entstehen.

Die Müdigkeit, die einen im Laufe eines langen Tages immer mal wieder überfällt, mag verschiedene Ursachen haben. Es liegt aber auch nahe, dass sie Ausdruck einer Überfrachtung mit Informationen ist, die das Gehirn in regelmäßigen Abständen ordnen möchte und muss. Dr. Born: „Diese Aufräumarbeit ist geradezu lebensnotwendig. Andernfalls droht ein Ungleichgewicht, das für unsere Gesundheit gefährlich werden kann.“ Das Problem: Auf der faulen Haut zu liegen und ziellos in den Tag zu träumen, hat hierzulande ein schlechtes Image. Gestresst zu sein, ist dagegen ein Statussymbol. „Wenn alle um einen herum im Hamsterradlaufen, ist es für den Einzelnen sehr schwer, einfach auszusteigen. Wer es trotzdem wagt, fühlt sich sozial oft schnell abgehängt,“ weiß der Soziologe und Beschleunigungsforscher Prof. Dr. Hartmut Rosa von der Universität Jena.

 

Lebensqualität lieben 


Der Trick ist, scheinbar sinnlose Tätigkeiten bewusst in etwas Positives umzudeuten, Zeit zu haben, als Lebensqualität zu betrachten. „Wenn es für mich ein Wert ist, ein Mittagsschläfchen abhalten zu können oder abends bei Musik zu dösen, dann werde ich diesen Dingen auch eher Zeit einräumen als anderen“, ist der Experte überzeugt. Auf diese Art kann man sogar nervigen Situationen noch etwas Besinnliches abringen.

Etwa, wenn man im Supermarkt mal wieder in der langsamsten Schlange steht, ein Stromausfall den Computer lahmlegt oder man einen Zug verpasst. Die Lücken, die das Nichts tun in unsere durchorganisierte Welt reißt, werden jedenfalls schnell geschlossen sein von dem Gefühl tiefer Zufriedenheit, sich selbst und seinen wirklichen Zielen ein Stück näher gekommen zu sein.